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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


Vom Sinn und Unsinn von Teambesprechungen
"Ich brauche einen Mac!"
20.10.2017
Besprechungsrunden bieten die ultimative Selbstinszenierungsmöglichkeit für vielbeschäftigte Wichtigtuer. Nichtstun bei gleichzeitigem „So-tun-als-ob“ und einmal die Runde moderieren, um den Chef raushängen zu lassen. Die Quintessenz des Ganzen: Tiefe Einblicke in die Wirrungen und Irrungen der menschlichen Psyche.

Wer nichts machen, sich aber als vielbeschäftigter Wichtigtuer inszenieren möchte, sollte eine Besprechung nach der anderen besuchen. Das sind die ultimativen „must haves“ des Besprechungskünstlers, weil intellektuell, weil emotional, weil sozial rudimentär stimulierend. Wo sonst kann man in solch harmonisch passiver Aktivität verharren? Sich fallen lassen, aber zugleich aufstehen? Klar, im buddhistischen Kloster. Aber das ist zu weit weg, zu fernöstlich-anstrengend. Dann doch lieber Erich Fromms „Haben statt Sein“. Das ist schnell, einfach, flowig eben.

Immerhin darf jeder - in alphabetischer Reihenfolge! - einmal den Chef von sich geben und die Besprechungsrunde moderieren. Eine immens verantwortungsvolle Aufgabe, die das Ego genauso schnell- wie kurzlebig „aufpimpt“. Währenddessen blicken die anderen neidisch hinterher und können in lauernder Stellung kaum ihren eigenen großen Auftritt erwarten. Endlich ist ihre Bühne der Selbstinszenierung frei!

Nachdem nun der Moderator einen Protokollanten ernannt hat, ertönt der Gong für die Runde eins: „High- und Lowlight“. In dieser Runde „müssend dürfen“ alle Anwesenden über ein sie bedrückendes und sie aufheiterndes Erlebnis der letzten Tage berichten. Manch einem rinnen schon die Schweißperlen von der Stirn, wie dem geschwätzigen Megalomanen. Wie in Gottes Namen soll das individuelle Erleben auf ganze zwei Minuten, im Schnelldurchlauf komprimiert werden?! Wieder so eine unnötig blöde Verkomplizierung und Einschränkung.

Gut, dann muss man sich eben auf das Wichtigste konzentrieren. Ob privat oder beruflich, ob professionell oder peinlich. Egal. Nach zwei langweiligen Berichterstattungen kommt endlich etwas Leben in die müde Runde. Voller Elan und Schmackes erzählt Frank von seinem persönlichen „Highlight“ der letzten Woche, dem Erwerb seines neuen Rucksacks, der „so funktional, praktisch, aber auch chic“ sei. „Aber seht selbst!“ Schwups, Frank hält seinen nigelnagelneuen Gefährten mit gestrecktem Arm in die Luft, sodass die ganze Runde seinen Fang bestaunen und bekräftigen kann.

Das Eis ist durchbrochen und auch die anderen trauen sich endlich aus ihrer Haut heraus zu kommen. Aus den langen zwei Minuten pro Kopf werden plötzlich zwei kurze, frische Minuten. So hört man von Annas geprelltem Kiefer - „Bitte bringt mich nicht zum Lachen. Das tut weh!“ - dem sich lauter wehleidige, solidarische „Ohhs“ und „Uhms“ anschließen. Auch Karl nutzt seine Gunst der Stunde, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Er als Erdbeerliebhaber, habe endlich „den perfekten Erdbeerbauern“ gefunden. Seine Früchte seien „so fruchtig, aromatisch, einfach himmlisch“.

Nachdem der eine mehr, der andere weniger interessante Einzelheiten aus seinem Leben ausplauderte, beginnt Runde zwei. Nun werden Tagesordnungspunkte angesprochen, die vorher von Einzelnen vorgeschlagen und vom mittlerweile in den Hintergrund gerückten und gekränkten Moderator gesammelt wurden. Bähmm. Endlich hat wieder seine Stunde geschlagen!

Tagesordnungspunkt eins geht relativ schnell durch, wie Punkt zwei. Eine genauso kurze Frage, wie schnelle Antwort. So geht es Zack für Zack, Punkt für Punkt weiter - bis Mona kommt. Sie würde gerne mit Karl über ihr gemeinsames Projekt sprechen, sie hätte da noch einige Fragen, und so weiter. Karl und Mona, die jeweils am Kopf des Tisches sitzen, hängen sich nur so in das Gespräch ein. Die anderen verfolgen das Spektakel. Mal drehen sich die Köpfe nach rechts zu Mona, dann wieder nach links zu Karl, und wieder zurück zu Mona. Nach etwas Hals- und Nackengymnastik verfallen die Beobachter in eine Starre der Lethargie und Apathie. Ganze 20 Minuten geht das so.

Wie man zum nächsten Tagesordnungspunkt gelangte, weiß keiner so Recht, aber allen ist es recht. Christoph möchte kurz klären, wer ihm bei seinem Projekt unterstützen könnte. Das ist schnell gemacht. Katharina wiederum hat ein Problem. Die Software, die sie braucht, läuft nur auf einem Mac, sie aber habe nur einen Windowsrechner. Ihre Conclusio: Sie bräuchte einen Mac.

Schlussendlich muss dringend besprochen werden, wo der morgige gemeinsame, freizeitliche Abend verbracht werden soll. Jeder der fünfzehn Anwesenden gibt seinen Senf dazu, sodass am Ende genauso viele Lokalitäten wie Köpfe im Raum stehen. Nach diesem zehnminütigen Wunschkonzert, das eher fünfzehn Solisten als einem fünfzehnköpfigen Chor gleicht, gibt es noch immer keinen Konsens. Bis der Chef der ganzen Runde die Task Force „Butterblume“ ins Leben ruft. Alle Anwesenden sollen bitte ihre Wünsche an die Task Force weiterleiten. Wie viele Vorschläge kommen? Keine!

Was bei den ganzen Butterblumen aber en détail abläuft, ist dann eine andere Geschichte. Weil intellektuell, weil emotional, weil sozial zu stimulierend für den Beratungskünstler.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
                                                                                                                                                                    © bertha stein