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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.

                
Politikgeschehen
Auf dem linken Auge blind
10.09.2019
Obschon sich unter den AfD-Anhängern Rechtsextreme tummeln, scheint man für Kommunisten unter den Linken und Pädophilen bei den Grünen blind zu sein. Zudem ist es ungerechtfertigt von einem Extremfall auf die ganze Partei zu schließen.

Weil sich mehrere Leser über meinen Gebrauch der Begriffe „Rechtsextremismus“ und „Nazi“ im Zusammenhang mit der AfD in meinem letzten Beitrag störten, möchte ich diesen gerne erläutern. Es ist richtig, dass die Schlagworte „Rechtsextremismus“ und „Nazi“ inflationäre, meist reflexhaft und oft ungerechtfertigt in einem Wisch mit der AfD genannt werden; zumeist aus den etablierten Reihen als Totschlagargument, um die AfD zu diskreditieren. Doch Faktum bleibt auch: In der AfD tummeln sich zwielichtige, demokratiefeindliche Gestalten mit Kontakten zur NPD.

Kurzer Einschub: Was bedeutet „Rechtsextremismus“? Laut Bundesamt für Verfassungsschutz gehören hierzu „verschiedene Ausprägungen chauvinistischer, rassistischer und antisemitischer Ideologieelemente“ mit der Auffassung, dass „die Zugehörigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse über den Wert eines Menschen [entscheide].(...) Diese Ausrichtung geht nach wie vor oft mit einer Verherrlichung des historischen Nationalsozialismus oder dessen Repräsentanten einher.“

Die NPD zum Beispiel erfüllt all diese Kriterien. Insofern gilt es als gerechtfertigt AfD-Mitglieder als „rechtsextrem“ oder „Nazi“ zu bezeichnen, die vermutlich oder nachweislich Kontakte zu dieser Szene haben. Der brandenburgische Politiker Andreas Kalbitz ist so ein Kandidat. 2007 nahm er an einem Aufmarsch von Neonazis in Athen teil. Abgesehen von seinen anderweitig vermuteten Verstrickungen ins rechtsextreme Milieu. Und auch Björn Höcke ist so ein Kandidat. Unter seinem Pseudonym Landolf Ladig publizierte er in mehreren NPD-Zeitschriften. Angeblich. Denn dass Höcke hinter Ladig stehe, lassen mehrere Indizien nur vermuten.

Evidenzbasierter scheint da Höckes Rede von 2017 mit der Aufforderung die deutschen Opfer während des Zweiten Weltkrieges zu betrauern. Obschon richtigerweise eine Vielzahl von Deutschen durch die Bombardements der Alliierten zu Tode kam, starben massenweise Unschuldige durch die nationalsozialistische Ideologie. Schließlich marschierten die Deutschen am 1. September 1939 in Polen ein. Sie lösten eine Kaskade von Massenmorden aus, sowohl auf deutscher als auch auf nicht-deutscher Seite. Höcke verdreht hier eindeutig Täter und Opfer.

Aber diese verzerrte Sicht ist nicht nur für die AfD charakteristisch. Ebenso findet sie sich auf der Seite der Etablierten. Ein Beispiel: Kürzlich behauptete Nils Minkmar auf SPON Populisten, also AfD-Anhänger, seien nicht bürgerlich. Hätte Nils Minkmar sauber den Begriff des „Populismus“ recherchiert, hätte er vermutlich nicht so leichtfertig seine digitale Edelfeder gezückt, um seine Formel „AfD gleich Populismus gleich nicht bürgerlich“ zu verbreiten. Denn aus wissenschaftlicher Sicht besteht kein Konsens darüber, was unter Populismus eigentlich zu verstehen ist.

Zum anderen wird Populismus als politisches Schlagwort verwendet; entweder um sich auf das Volk oder auf populäre Thesen zu berufen. Weil also Populismus ein politisch neutraler Begriff ist, gilt die populistische Rhetorik sowohl für Linke als auch für Rechte. Von Rechtspopulismus über Grünpopulismus bis zum Linkspopulismus und Merkels Rautenpopulismus „Wir schaffen das“ - ganz zu schweigen vom Minkmar-Populismus. Schließlich vertritt Minkmar populäre Thesen der Spiegel-Klientel. Gehört somit Minkmar nicht zum Bürgertum, wie so viele andere, die verbreitete Meinung vertreten?

Minkmar exemplifiziert also, was in unserer Gesellschaft üblich geworden ist. Rechte politische Meinungen gegenüber linken als gefährlicher, abtrünniger und weniger salonfähig zu betrachten. Das stimmt auch mit einer Beobachtung des emeritierten Professors Eckhard Jesse überein. Rechtsextremismus und Linksextremismus werden mit zweierlei Maß gemessen, zu Gunsten der zweiten. So nennt Jesse das Beispiel von T-Shirt-Logos: Ein RAF-Logo auf der Brust zu tragen, gehe in Ordnung, ein NSU-Logo aber nicht.

Mit dem Zweiten sieht man also doch nicht besser“, um den Werbeslogan des ZDF zu benutzen. Denn was heutzutage Rechtsextreme bei der AfD sind, waren vor allem in den 1980er Jahren bei den Grünen Pädosexuelle. Bis in die neunziger Jahre konnte für die Legalisierung von „einvernehmlichen“ sexuellen Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern geworben werden. Heute ranghohe Politiker, wie Renate Künast, stellten sich damals nicht dagegen. Doch bedeutete dies, dass alle Grünen-Mitglieder pädophil waren?

Eben Gleiches findet sich auch unter den Reihen von Die Linke. 2011 bekannte sich die Linken-Politikern Gesine Lötzsch, damals Parteivorsitzende, zum Kommunismus: „Egal, welcher Pfad zum Kommunismus führt, alle sind sich einig, dass es ein sehr langer und steiniger sein wird.“ Per Definition des Bundesamtes für Verfassungsschutz handelt es sich hierbei um eine klar linksextremistische Positionierung: „Linksextremismus ist ein Sammelbegriff für alle gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Bestrebungen, die auf einer Verabsolutierung der Werte von Freiheit und (sozialer) Gleichheit beruhen, wie sie sich insbesondere in den Ideen von Anarchismus und Kommunismus ausdrücken.“ Doch ist es gerechtfertigt alle Linken in den kommunistischen Topf zu werfen?

Obschon nicht nachvollziehbare Doppelstandards für Rechte und Linke gelten, bleibt festzuhalten, dass extreme Positionen nichts AfD-Spezifisches sind. Ebenso wie es dort Rechtsextreme gibt, tummeln sich unter den Grünen Pädophile und unter den Linken Kommunisten. Einzelpersonen solche extremen Positionen zuzuschreiben, ist legitim. Doch vom Einzelfall auf die Gesamtlage der Partei zu schließen, ist ein induktiver Fehlschluss.

Vielleicht war es von mir unüberlegt den Begriff des „Nazi“ zu benutzen. In der Tat verharmlost seine Verwendung die Gräueltaten des NS-Regimes. Dass jedoch mein Rechtsextremismusvorwurf auf nachvollziehbaren Fakten beruht, ist hoffentlich nun klarer. Schließlich richtet er sich nicht gegen die AfD als Ganzes, sondern gegen einzelne Personen.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
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