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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


Meine Universität
Leere Lehre + leere Köpfe = leere Hörsäle
02.02.2018
Die Anwesenheitspflicht an Universitäten ist kindergartenmäßiger Kokolores. Vor allem wenn die Lehre für die Lehrer und nicht für die Studenten gemacht ist.

Ein Thema, bei dem ich immer öfters als emotionale Projektionsfläche meiner Kollegen fungieren darf, ist wenn diese sich wieder über ihre leeren Hörsäle echauffieren. In ihren Augen sei es eine „Frechheit und Unverschämtheit“ von Seiten der Studenten nicht in ihren Kursen zu erscheinen. Daher plädieren viele meiner Kollegen für eine Anwesenheitspflicht an der Universität.

Die Tatsache, dass tatsächlich einige von ihnen die Universität mit einem Kindergarten verwechseln, was durch ihre psychodramatischen Rollenspielchen mit den Studenten oder ihrer gemeinsamen Klatschbespaßung beim Sitzkreis durchaus durchsickert, sei mal dahin gestellt, spielt aber eine nicht unerhebliche Rolle.

Ich kann absolut verstehen, wenn man als Student in einigen Fällen die körperliche Absenz präferiert. Nehmen wir die Vorlesung. Ist es verwunderlich, wenn Studenten im erratischen Lesefluss bei gleichzeitig monoton erklingender Stimme des Dozenten vollkommen in tranceartige Zustände abdriften? Und Lehrstoff, den man sich im Selbststudium innerhalb einer Stunde aneignet, in der Vorlesung in 90 Minuten - dazu noch unter motivationswidrigen Umständen - vom Dozenten Wort für Wort, ohne Zusatzinformationen, nur vorgelesen bekommt?

Ähnlich sieht es auch beim umgekehrten Fall aus, also den Dozenten, die sich als oberbespaßende Erziehungsgehilfen ansehen und mit ihrer aufdringlich-freundlichen Art auf die Studenten losgelassen werden. Einerseits wird zur Distanzüberbrückung - das asymmetrische Machtverhältnis der Notenvergabe kann man ja einfach mal außer Acht lassen - in der ersten Sitzung das „Du“ aufgezwungen. Andererseits wird zu den Lehrinhalten in gruppentherapeutischer Manier gemeinsam geklatscht, gesungen und getanzt. Dass nicht alle Studenten an diesen Selbstfindungstrips und Seelenstriptease teilnehmen wollen, ist in meinen Augen nur allzu verständlich.

Doch viele meiner Kollegen sehen das anders. Sie empfinden es als persönlichen Affront, wenn trotz fehlender Anwesenheitspflicht nur die Hälfte ihrer Teilnehmer in ihren entweder komatösen oder ekstatischen Kursen erscheinen. Dass vielleicht gerade sie mit ihrem Konzept die Studenten verschrecken, daran wird kein universitärer Gedanke verschwendet. Wie könnte man schließlich auf die Idee der eigenen Fehlbarkeit kommen?

Wenn alle Dozenten so denken und die Studenten lieber in der Schutzzone ihres eigenen Gedankenkokons verweilen, also körperlich anwesend, aber geistig abwesend im Seminarraum sitzen, muss man sich nicht wundern, wenn der körperlich gefüllte Raum von einem intellektuellen Vakuum umgeben ist. Aber groteskerweise stört das die meisten meiner Kollegen nicht. Im Gegenteil. Je mehr Fleischliches anwesend, desto zufriedener sind sie.

Aber wehe, wenn einige der studentischen Fleischklumpen während eines stählern-selbstdarstellerischen Monologes sich ins intelligible Reich manövrieren und mit dem Sitznachbar in einen Dialog treten. Das kann nur eine plumpe Kampfansage an die vorne stehende Gedankenzentrale sein. Schließlich verwehren sich die studentischen Ohren der heiligen Selbstpudelei. Anstatt aber die Ruhestörer zurechtzuweisen oder aus dem Seminar zu bitten, wird der Frust hierüber stillschweigend akzeptiert. Wenn einem schon nicht zu Hause zugehört wird, so hat man wenigstens hier jemanden, dem man die eigene Schwätzerei als menschliche Resonanzplattform aufzwingen kann.

Selbstverständlich gilt dieser egozentrischer Darstellungstrip gepaart mit autoritären Zügen im Sinne der Anwesenheitspflicht nicht für alle meiner Kollegen. Einige können sich glücklicherweise noch an ihre eigene Studienzeit erinnern. Sie wissen, dass es nicht primär eine Animosität gegenüber dem Dozenten war, der sie sein Seminar nicht besuchen lies.

Vielmehr spielten andere Faktoren eine Rolle. Entweder musste man neben dem Studium arbeiten, oder man bevorzugte das Selbststudium, oder der Kurs war wirklich unerträglich - sei es weil ein Referat nach dem anderen gehalten wurde oder sich die Lehrtalente des Dozenten irgendwo in den tiefsten Ecken seines wissenschaftlichen Repertoires versteckt hatten und nur darauf warteten entdeckt zu werden; aber bitte nicht von den Studenten!

Letzten Endes spielt aber das Resultat eine Rolle, und wenn Studenten trotz Abwesenheit eine sehr gute Leistung abliefern, können wir uns doch freuen. Es zeigt, dass sie über genug Selbstverantwortung, Disziplin und Lernvermögen verfügen - also keinen Lehrer wie in der Schule brauchen -, um ihre Leistungen zu erbringen.

Ist es nicht Ziel des Lehrens, dass der Lehrer überflüssig und sein Schüler im Idealfall besser wird als er selbst?

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
                                                                                                                                                                    © bertha stein