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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


Meine Universität
Die Invasion der wissenschaftlichen Bambusstöcke
09.07.2017
Welche Eigenschaften erwartet die heutige Universität von ihren Mitarbeitern? Wissenschaftliches Arbeiten gehört mit Abstand nicht mehr an erster Stelle. Stattdessen machen „Freundlichkeit“ und „Teamorientierung“ das Rennen.

Als ich vor einigen Tagen durch die Flure der Universität ging, zog mich ein Aushang in seinen Bann - es war eine Stellenausschreibung für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Grund war vor allem die gendergerechte Sprache mit den ganzen „*“ und „_“, die sich meinem ästhetischen Verständnis zutiefst widersetzen, und gerade deswegen mein Interesse weckten. Vielleicht würde der Inhalt ähnliches wie die Gestaltung erwarten lassen, fragte ich mich, und wurde nicht enttäuscht. Tatsächlich, ein Satz überwog mit seiner gehaltvollen Wucht alle anderen. Eigentlich war es der einzige mit Inhalt gefüllte Satz in diesem Wortsalat aus „*“ und „_“. Er lautete: „Gesucht wird eine nette und freundliche Persönlichkeit, die engagiert und teamorientiert ist.“

Ich überflog die Anzeige noch einige Male, um mich zu versichern. Hatte ich irgendetwas mit meinen Augen? Oder noch schlimmer, eine ernsthafte neuropsychologische Störung, die nun plötzlich zum Vorschein kam? Weder noch. Sonst hätten alle anderen, die ich gefragt hatte, das gleiche Leiden wie ich gehabt. Das überraschende war, dass in dieser Anzeige kein einziges Wort von wissenschaftlicher Qualifikation zu finden war. Nichts ließ ahnen, dass ein wissenschaftlicher Mitarbeiter gesucht wird. Vielleicht wieder ein neues, innovatives, Förderprogramm aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung? Eines um bildungsferne und unqualifizierte Leute für die Forschung zu begeistern und zu gewinnen? Bei den wenigen Akademikern und den vielen offenen wissenschaftlichen Stellen sicher ein sinnvoller Einfall - wie immer.

Schaut man sich aber einige wissenschaftliche Artikel an, wird verständlicher, warum „Freundlichkeit“ und „Teamorientierung“ für die Forschung essentiell geworden sind. Einen Artikel alleine zu schreiben, das ist doch viel zu langweilig und viel zu mühsam. Der ganze Aufwand, um sich mit der trockenen Materie auseinanderzusetzen! Ganz davon abgesehen, dass die meisten es sich nicht einmal zutrauen. Da teilt man sich lieber die Arbeit. Und deswegen müssen acht Wissenschaftler einen fünfseitigen Artikel in einem gemeinschaftlichen Kraftakt stemmen. So kann es durchaus passieren, dass man die Namen der Autoren mit der Textzusammenfassung verwechselt.

Schaut man ganz genau hin, fällt einem auf, dass sieben von acht Verfassern etablierte Mitglieder des universitären Schaffens sind. Wer sich etwas mit dem Forschungsbetrieb auskennt, weiß, was das bedeutet. Das Gemeinschaftsprojekt ist in Wirklichkeit ein Projekt der Gemeinen. Die glorreichen Sieben zeigen einem Möchtegern-Glorreichen, was „teamorientiertes“ Forschen bedeutet, nämlich Forschen für die Teamuniversität und ihre Teamprofessoren. Hierbei ist das Rückenmark am wichtigsten. Es muss schnell und gut funktionieren, um alles schnell und effizient bewerkstelligen zu können. Das Gehirn hingegen soll einige Nervenzellen in genau den richtigen Regionen haben, um wissenschaftliche Probleme im Sinne der teamvernetzten Universität zu lösen. Biegsam, flexibel, anpassungsfähig lautet das Credo. Also im Grunde genommen nichts anderes als ein Bambusstock mit Gehirn. Ausschließlich engagiert teamdenkend und netzwerkend.

Da sehnt man sich nach einer Zeit, wo es wieder „das Land der Dichter und Denker“ heißt. Und inmitten dieser romantischen Landschaft ihr Sinnbild. Selbstständig, schneidig, standhaft. Die gute alte Fichte. Wo bist Du, Johann?

Aber das macht nichts. Denn das beste an der ganzen Sache ist, sie haben Recht. Wie bereits Baruch de Spinoza treffend formulierte: „Jeder hat so viel Recht, wie er Macht hat.“

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
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