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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


                                                                                                                       
                                         
Jogification“
Bezwingt Jogis WM-Puppenkiste die Matrjoschka-Matrosen?
01.06.2018
Der Klassenstreber hatte es schwer bei uns. Denn welcher bei normalen Verstand seiende junge Mensch wollte gute Noten schreiben, um dem Lehrer, dem Klassenfeind Nummer 1, zu gefallen? Schließlich war er es, der uns von den wichtigen Dingen im Leben fernhielt und uns versuchte mit dem geistigen Rohrstock einzutrichtern, wie toll es sei, strategiebesessen und unterhaltungsaversiv durch die Gegend zu laufen, also ein Abbild seines spießbürgerlichen Selbst zu werden.

Was an einer konturlosen Gestalt wie ihm so attraktiv sein soll, ist mir noch heute ein Rätsel. Aber irgendwie gab es immer irgendwelche nach Anerkennung trachtenden, überambitionierten Kameradenschweine, die sobald der Lehrer ihnen ein Leckerli in Form seiner Zustimmung zuwarf, Männchen machten; die sobald ein Klassenkamerad einen Fehltritt zeigte mit dem Knochen im Maul dem Lehrer schwanzwedelnd Bericht erstatteten.

Aber immerhin hatten diese Lehrerwedler den Mumm sich zu outen und sich somit zu einer Splittergruppe der Outlaws zu positionieren. Wesentlich schlimmer waren da die kameradschaftlichen Maulwürfe, also die, die so dachten wie die Streber, sich aber nicht trauten, so zu sein, weil die Angst abseits der Gruppe zu stehen und somit eins auf den Deckel zu bekommen größer war als ihr Drang der fleischlichen Aktentasche zu gefallen.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum so viele Jogi Löw zum Helden der Nation hochstilisieren. Er ist es, der die zwei Seiten, die der Unterwürfigkeit und politisch korrekten Aufmüpfigkeit, in seiner Person vereint: Das zu machen, was sich der Deutsche nicht traut zu machen, aber er gerne machen würde, was er aber ungern macht, da er sich nicht traut.

Sie bewundern ihn für etwas, was nicht bewundernswert ist, nämlich für das Zusammenbasteln einer lenkbaren, konturlosen Marionettentruppe, wo „högsdche“ Disziplin als oberste Tugend sowie weitere langweilige, preußische Tugenden, wie taktisches und strategisches Denken gepredigt werden. Marionetten-Jogi wird hierbei von einem kopfballstarken Stürmer - ein weniger getroffener Kopf hätte sich längst vom Feld gemacht -, nämlich Oliver Bierhoff unterstützt.

Dieses Marionetten-Gespann transformierte das Fußballteam mit ihrer Kuschelpädagogik bestehend aus Familienabenden und Fahrradausflügen in ein weichgespültes Eventteam; betreutes Spielen raffiniert verpackt als spaßige Rundumbetreuung. Deswegen haben die jungen Wilden genau zwei Möglichkeiten. Entweder lassen sie sich vom schwäbischen Dompteur Löw zum dribbelnden Dressurbären zähmen oder sie werfen das Handtuchle.

Der DFB hat es mit Nivea-Jogi nun tatsächlich geschafft den Fußball, des Deutschen liebsten Volkssport, zu „jogifizieren“ und als strategiereinen Fußballschach zu vermarkten. Einen aseptischen Raum, frei von Überraschung und Spontaneität, auf dem sich 22 unterwürfige, aber dafür modisch und frisch frisierte Schachfiguren gegenseitig den Ball passen, und elegant-kultiviert für den nötigen Überraschungseffekt bei den Fußballfans sorgen.

Fußball ist aber alles andere als kultivierte Galanterie. Es rührt an unseren tiefsten Instinkten, es ist ein Exzess purer Emotion. Ein wirres Hin-und-Her über dem Spielfeld mit Mann-zu-Mann-Körperkontakt. Eine geballte Ladung von Testosteron. Etwas, dass uns unerwartet und plötzlich wie aus dem Nichts ergreift.

So wie die Helden meiner Kindheit, die alles andere als diese glattgeaalten, strategisch denkenden Konzeptionisten waren. Brauseköpfige Gestalten mit Ecken und Kanten. Geächtete mit ihren phasisch auftretenden Exzesse mussten es sein: Captain James T. Kirk, Sherlock Holmes oder Howling Mad vom A-Team.

Sie waren es würdig bewundert zu werden. Geächtete und Unangepasste, Geliebte und Gehasste. Solche, denen es um die Sache selbst ging und nicht darum unter allen Umständen der Beste zu sein und einen bunten Sticker vom Lehrer unter den Aufsatz geklebt zu bekommen. Weg mit diesem Mal der Schande!

Jogification“ zeigt uns aber, dass in jedem Deutschen ein kleiner strategischer Denker steckt, dem es nur darum geht den Ball möglichst effizient ins Tor zu bekommen. Der erfüllende Weg mit seinen ganzen Höhen und Tiefen wird hierbei vergessen, genauso wie, dass Streber niemand mochte. Trotzdem wird der langweilige, strategiefixierte Held salonfähig. Jogi Löw fungiert hierbei als Projektionsfläche der Deutschen, als Raffinement der deutschen Spießbürgerlichkeit.

Wer sein Jogi-Statement öffentlich machen möchte, für den hat REWE einen wahren Volltreffer: Den Bambi-Preisträger 2016 in der Kategorie Integration gibt es „exklusiv“ auf einer Baumwolltasche. So hat man seinen Helden immer dabei, der mit dem Spruch wirbt: „Deutschland steht drauf, Vielfalt steckt drin“. Im normalsterblichen Jargon heißt das Mogelpackung.

Aber vielleicht ist auch das nur Jogi-Taktik. Schließlich geht es im Juni zur WM nach Russland - wo Demokratie drauf steht, Diktatur aber drin steckt; schließlich wollen wir als Klassenstreber wieder Erster werden.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
                                                                                                                                                                    © bertha stein