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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


Individuum konformis
Das Monstrum von Loch Konformismess
28.10.2017
Im Zuge des nihilistischen Soges des Münzengeklimpers verschwand nicht nur das Sein, sondern auch das durch seine peripheren Wogen berührte Individuum. Die Geburtsstunde des homo gregis, des Herdenmenschen. Wie Junkies stürzen wir uns deswegen von einem Massenereignis in das nächste, um den Schmerz der individuum- und gruppenerstickenden Inklusion irgendwie zu ertragen. Doch Stimmen des Aufbegehrens werden immer breiter und lauter.

Wir vergessen uns, unsere Einzigartigkeit, das Individuelle. Individuum, lateinisch „Unteilbares, „Einzelding“, verweist auf unsere Position als einzigartiges Wesen, als moralisches Subjekt mit gewissen Rechten und Pflichten. Der Prozess der Adiaphorisierung (Zygmunt Bauman) - der moralischen Neutralisierung - lässt Zweifel an diesem Konstrukt des Individuums auftauchen. Denn die Kategorien von „gut“ und „böse“ sind längst passé, stattdessen heißt es nun „Haben oder nicht-Haben, das ist hier die Frage“. Eine Frage ist es aber schon lange nicht mehr, wie Erich Fromm bereits feststellte, wohl eher ein okzidentales factum brutum. Denn Hauptsache „haben“ zählt, egal zu welchen Kosten. Sei es moralisch, ethisch, kultiviert.

Im Zuge des nihilistischen Soges des Münzengeklimpers verschwand nicht nur das Sein, sondern auch das durch seine peripheren Wogen berührte
Individuum. Stattdessen tauchte eine neue, progressive der Adiaphorisierung sich angepassten Menschengestalt auf. Der homo gregis, der Herdenmensch, der auf den Feldern des moralfreien Bodens gedeiht. Ein bisschen plumpe Unterhaltung, ab und zu eine klatschblättrige Sensationsgeschichte und die wohlige Wärme der Herde. Mehr braucht der homo gregis nicht. Ist das die Ära Nietzsches‘ Übermenschen?Warum erstarren wir vor der psychologischen Kälte der Einsamkeit? Warum können wir nicht mehr alleine sein? Weil die Angst zu groß ist vor dem, was uns erwarten könnte. Weil der Schmerz der unausweichlichen Erkenntnis zu groß ist. Dem des Verlustes unserer Einzigartigkeit, unserer Besonderheit, unserer Ununterscheidbarkeit. Wie sollen wir uns ohne Möglichkeit der Distinktion, des Anderssein nur finden? Geschweige denn dieses existentielle Vakuum füllen? Womit, wenn nicht mit Ängsten, Zweifeln oder Zahlen?

Deswegen suchen wir
wie verrückt die Wärme der Herde auf. Im vom Deindividuation überschäumenden Fußballstadion, im zum Pseudoselbsttrip hochstilisierten Theaterworkshop, im oxytocinversprechenden Wellnesspark des sozialen Netzwerkes. Wir werden überwältigt von einer mania collectiva.

Die Vernetzung aller mit allen ist die große Stunde des Konformismus“, konstatierte Rüdiger Safranski. Wie die Spinnen weben wir unentwegt an unseren Netzen der Beziehungen, um immer mehr zu haben. Wie ein Monstrum breiten sich Netz für Netz auseinander und vereinnahmen sich gegenseitig. An dessen konzentrischem Höhepunkt begegnet uns sein konformistisches Monstrum. Dessen übermächtigen Tentakel der Uniformität und Langeweile umschlingen uns netzwebende Spinnen. Das ist Inklusion par excellence, und zwar jegliche inklusive in den Keim erstickende Individuum- und Gruppenidentität.

Doch röchelnd begehren mehr und mehr Stimmen gegen diese konformistische Kohlenstoffmonoxidvergiftung auf und rufen nach einer identitäts- und gemeinschaftsstiftenden Kraft. Der reaktionäre Mantel angestauter Ressentiments wird wieder angezogen. Aber was sonst bietet die Gesellschaft für eine Alternative? Die sommerluftig selbstdestruierende Leinenhose im Winter? Sich einfach weiterwebend inkludieren und vollends aufgeben? Mit der Vision, dass einer wie der andere, alle wie einer, einer wie alle, sein werden? Anscheinend für viele eine sehnsuchtsvolle Utopie der zwischenmenschlichen Harmonie. Für manch einen jedoch eine trüb-dystopische Vorstellung, die es zu verhindern gibt.


Diese Stimmen des
(politischen) Aufbegehrens gegenüber der sedierenden Kraft des Konformismus werden immer breiter und lauter. Die einsetzende Immunität gegen die mania collectiva hat begonnen. Zwar noch nicht bei uns, aber bei den Briten und den Katalanen. Denn sie zerschlagen bereits das Monstrum vom Loch Konformismess.Wie betäubt spüren wir dann nicht mehr die tief in uns sitzende Verzweiflung über den bereits verlorenen Kampf um unsere Einzigartigkeit. Wie ein Süchtiger verlangen wir in immer kürzeren Zeitintervallen größere Mengen dieses Herdenschusses. Ist das nächste Massenereignis nicht in der Nähe, greifen wir zu seinem substituierenden Psychopharmakon, den sozialen Medien.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
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