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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


Impression aus Münster
Platt, platter, Münster -  Huxley's "schöne neue Stadt"?
09.08.2017
Würde Aldous Huxley noch heute leben, könnte er zwar nicht seine „schöne neue Welt“, dafür aber den Ansatz einer „schöne neue Stadt“ bestaunen. Und diese befindet sich mitten unter uns. Im beschaulichen Westfalen, in der idyllischen Stadt Münster.

Münster ist eine schöne Stadt. Irgendwo zwischen Dortmund und Osnabrück gelegen, erstrecken sich grüne Wiesen mit glücklichen Kühen so weit das Auge reicht. Auch ein See - der Aasee - fließt inmitten Münsters zusammen. Und als wäre das noch nicht genug, lümmelt ein Karnickel nach dem anderen frech auf den in der Stadt verstreuten Grünflächen, während es genussvoll an seinem Grashalm nagt. Es ist einfach nur idyllisch, wie aus dem Bilderbuch.

Aber Münster ist nicht nur landschaftlich schön. Es kann auch mit seinen architektonischen und historischen Bauten punkten. Papst Leo III. gründete 799 das Bistum Münster, das bis heute Sitz eines katholischen Bischofs ist. Die vielen Kirchen prägen das Stadtbild und nicht umsonst wird es auch „nordisches Rom“ genannt.

Ich habe wirklich nichts gegen Münster. Aber eine Sache stört mich. Die Landschaft ist einfach nur platt. Kein einziger Hügel, nur Hügelchen ragen - oder lugen - aus dem münsteranischen Boden heraus. Man könnte meinen, es seien verirrte Hügelseelen, so deplaciert wirken sie, so wie sich manch Nicht-Münsteraner das erste Mal fühlen mag, wenn er auf Münsteraner trifft, die ihrer platten Landschaft mental ebenbürtig Paroli bieten können. Denn hier kann es geschehen, dass landschaftliche Provenienz auf geistige Provinzialität trifft!

Aber der Jute-, oder eher Geldbeutel ist vollgefüllt. Da darf sich manch einer wie eine Öko-Provinzdiva aufführen, der die anderen gefälligst nach ihrer Pfeife - die natürlich aus ökologischem Anbau stammt - zu tanzen haben.

Und hier tritt auch moralkeuleschwingend das Kollektiv des Gutmenschen mit „Atomkraft? Nein, danke!“-Fähnchen in die Pedale, während der Nachwuchs im Fahrradanhänger seine missionarische Bestimmung mit der Tofumilch aufsaugt.

Man fragt sich zu Recht, wer platter ist. Mensch oder Natur.

Die Natur hat gegen diesen Gegner auf jeden Fall den Kürzeren gezogen. Millimetergenau wird Grashalm für Grashalm auf die gleiche Höhe geschnitten. Überall mit der gleichen dogmatischen Pedanterie. Und sollte doch ein grüner Schelm aus der Reihe tanzen, wird kurzer Prozess mit ihm gemacht. Schnipp, schnapp, die Moralschere war da.

„Warum auch nicht für uns?“, dachten sich wohl einige, junge Münsteraner und griffen zu eben dieser Schere - der Schere des destruierenden Individualismus. Denn sie wirken wie einer: ein überdimensionaler Bart mit Hornbrille, der im Holzfällerhemd und Jutebeutel über dem Prinzipalmarkt herumläuft. Und will „frau“ mal wissen, was en vogue ist, so lohnt sich statt eines Blickes ins Modemagazin ein Blick aus dem Fenster.

Einige gehen eben in der Masse des Gutmenschen auf, wo sie sich ekstatisch ihrer fairen Sojamilch hingeben können. Deswegen hört man - aber nur wenn man ganz genau hinhört - mantrahaft durch die Straßen der Stadt erklingend: „Veggie-Day, Veggie-Day“. Und je öfter man es hört, desto unsicherer ist man, ob es doch nicht der alte Kumpel Freuds, das eigene „Über-Ich“ ist, der da einen aufmüpfig besucht.

Aber zum Glück sind nicht alle Münsteraner diesem Mantra verfallen. Lässt man das krachende Getöse hinter sich und bewegt sich von der Oberfläche fort, so kann man einen leisen, aber ebenbürtigen Widerstand verspüren. Denn eine Bastion der Standhaften verteilt sich über die ganze Stadt und folgt ihrer eigenen Stimme - obwohl alles seinen Platz hat, obwohl alles vorhersagbar ist, obwohl alles friedlich ist.

Man kann also durchaus von einer „schönen neuen Stadt“ sprechen - so wie in Aldous Huxley‘s „Schöne neue Welt“. Und sogar das Rauschmittel unterscheidet sich nur in einem einzigen Buchstaben. Statt „Soma“ gibt es in Münster „Soja“.

Aber vielleicht täuscht der erste Eindruck auch nur und einem begegnet hinter dieser Fassade der ganz normale menschliche Zwist? Zwar nicht offensichtlich, dafür aber umso tiefgründiger?

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
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