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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


Doppelnamen
Der Bindestrich als Widersacher von alter und ego
06.12.2017
Der Doppelname reflektiert plastisch das Lebensmotto unserer heutigen Gesellschaft: "Lieber gemeinsam einsam statt gemeinsam zweisam".

Die Funktion des Divis (von lat. dividere, teilen), dem Fachbegriff des Bindestriches, besteht - ungeachtet seiner Verwendung als Trennungsstrich - grundsätzlich in der Verbindung von Zusammengehörendem, das entzweit ist. So dient beispielsweise das Divis zur Hervorhebung sowie zur Stärkung der jeweiligen Bestandteile in getätigter Zusammensetzung.
Jedoch erscheint trotz ostentativer Verbundenheit beider Elemente mittels des Divis diese Einheit eher als illusorischer Versuch denn Faktum, weswegen von einer holistische Zweiheit gesprochen werden kann. Welche Implikationen dies für den Doppelnamen beziehungsweise für alter und ego hat, wird versucht im Weiteren darzulegen.


Das Divis veranschaulicht einen Kompromiss, eine Quasi-Einheit, die kein wirkliches holistisches, zusammengehörendes Verständnis zulässt. Dies wird einerseits aus kompositorischer Sichtweise ersichtlich, in welcher das Divis als Fremdkörper, als Keil, als Widersacher sowie gleichzeitig als Platzhalter, als Klebstoff zwischen diesen zwei Namen fungiert. Andererseits nötigt aus linguistischer Perspektive das Divis zur Sprechpause, zum Innehalten, was abermals eine Scheidung beider Elemente induziert. Die dualistische Gegebenheit dominiert trotz versuchter Einheit, die nicht anders kann als in dieser Situation zu scheitern.

Sozialpsychologisch bedeutet dies die Zuschaustellung als gemeinsames Liebes- oder Ehepaar bei gleichzeitiger - bewusst demonstrativer - Autonomie von alter und ego in dieser Beziehung. Man ist keine gemeinsame Familie, kein gemeinsamer Mikrokosmos, eher eine entzweite Einheit. Du und Ich statt Wir. Ego und alter sind für ein Aufgeben ihres Selbst nicht bereit oder nicht in der Lage, was sie wiederum unfähig zu einer Hingabe zum Partner macht. In Termini Zygmunt Baumans leben beide ein Mitsein statt eines Fürseins, im Rahmen dessen alter und ego zu einer neuen Lebenswirklichkeit verschmelzen. Anstatt des Versuches diese neue Lebenswirklichkeit zu erlangen, verweilen beide in ihrer eigenen Wirklichkeit, hoffend dass die Berührung beider Welten statt in einem Aufprall zweier gleichpoliger Magneten in eine Legierung beider resultiert. Doch die unabdingbare Fixierung auf das eigene Selbst verhindert dies - und somit das wahre Zusammenleben als Paar. Aber erst diese Aufgabe, das Vergessen des eigenen Selbst ermöglicht das Sich-Einlassen auf den Partner, auf seine Welt, was wiederum - bei zumindest ähnlich agierendem Partner - die Möglichkeit der Erkundung dieser gemeinsamen Lebenswelt erlaubt.

Das Divis spiegelt somit den Zeitgeist unserer Gesellschaft, welche mittlerweile von einem pathologischen Individualismus, das heißt des Überganges vom Individualismus zum Egozentrismus überschwemmt wird, wider. Das Selbst kennt keinen Raum mehr für andere Personen oder Lebenswirklichkeiten, die für dieses bedeutsam sind, kann diese nicht als zugehöriges Teil des eigenen Selbst verstehen. Selbstverwirklichung bedeutet demnach nicht mehr gemeinschaftliche, freundschaftliche Verwirklichung im Sinne von Aufopferung oder Hingabe für den Anderen, sondern Realisierung nur der eigenen, egoistischen Interessen. Das Ich wird zum absoluten Referenzpunkt, zur Antriebsfeder aller Handlungen mit intentionaler Abgrenzung als diametrale Entität zur Umwelt - sowohl physikalisch als auch sozial -, in der die eigene einzigartige Individualität trotz Pseudo-Individualität präsentiert werden soll.


Der Doppelname scheint hierbei als verkörperte Exemplifizierung dieses Sachverhaltes zu fungieren, wobei ferner ein politisches Statement des Trägers ersichtlich wird. Männer als auch Frauen mit Doppelnamen wollen durch das plastische, gleichberechtigte Nebeneinander des männlichen und weiblichen Namens ihre Position der Gleichstellung der Geschlechter exemplifizieren, infolgedessen der Doppelname als Symbol für fortschrittliches und liberales Denken stehen soll. Jedoch missverstehen diese die Aufgabe des Selbst resultierend in eine Hingabe zum Partner als Beginn eines Kontrollverlustes des Selbst, folglich als Beginn eines asymmetrischen Machtverhältnisses, welches dem Gleichstellungsgedanken des Trägers eines Doppelnamens zuwider läuft. Der Kontrollverlust oder das Vergessen des Selbst aber ermöglichen erst den Zugang zu neuen Sichtweisen, erweitern die eigene Lebenswirklichkeit, was beispielsweise beim flow-Erleben geschieht. Das flow-Erleben gilt als ein vom amerikanischen Psychologen Mihályi Csíkszentmihályi geprägter Fachbegriff für das Aufgehen in einer Tätigkeit, konkret einer Verschmelzung von ausgeführter Tätigkeit mit dem Bewusstsein, welche unter anderem von einem Gefühl der Ekstase und heiterer Gelassenheit begleitet wird. Aufgrund dieser Wirkung auf den Einzelnen wird dieses Erlebnis auch als „positive Sucht“ bezeichnet.

Scheint es daher auch nicht erstrebenswert auf den Doppelnamen und somit das Divis als Widersacher zu verzichten und sich dem Wir hinzugeben? Wozu eine künstliche Trennung von alter und ego, die doch dafür bestimmt sind zusammenzugehören, eine wahre Einheit und keine illusorische, entzweite Einheit zu bilden? Die Aufgabe des Selbst und somit des Divis ermöglicht den Zugang zu einer neuen, einer von alter und ego gemeinsam konstituierten Lebenswelt und nicht das Zusammentreffen zweier sich zufällig getroffener und berührender Welten, die beide für sich alleine in ihrer autistischen Lebenswirklichkeit ein Leben des Nebeneinanders führen. Anscheinend repräsentiert der Doppelname das Motto: „Lieber gemeinsam einsam statt gemeinsam zweisam“, was wiederum für unsere Postmoderne symptomatisch zu sein scheint. Nicht das Gemeinsame, sondern das Differierende, wie beispielsweise das Selbst oder das Divis werden betont.

Stellt diese Überbetonung des Selbst und sein Festhalten die richtige Entwicklung für das Selbst und das menschliche Miteinander dar? Werden hierdurch nicht die Demarkationslinien gefestigt, die Differenzen und Einzigartigkeiten akzentuiert? Kommt es letztendlich zu einer gegenseitigen Entfremdung? Wie dem auch sei, trotz alledem kann glücklicherweise jeder frei entscheiden welche Lebensweise und welche Art der Namenszusammensetzung er letztendlich präferiert. Vielleicht konstituiert das Divis neue, nicht nur negative Möglichkeiten.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
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