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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


                                                                                                                       
                                         
Die passive Rache der Papiertaschentücher
"Leise rieselt der Schnee"
29.12.2017
Wir unterschätzen die Kraft des Papiertaschentuchs und honorieren nicht, wie es uns vieles im Alltag erleichtert. Erst wenn wir es in der Hosentasche vergessen und in die Waschmaschine stecken, entdecken wir den Einfluss dieses kleinen Tuches.

So ein Taschentuch ist eine nützliche Erfindung. Ob Hände säubern oder Nase schnäuzen, der ganze Schmutz ist mit einem Wisch weg. Genauso wie die Gedanken, die mit dem Retter in Not in Verbindung stehen. Was kaum jemand weiß, das Papiertaschentuch wurde in Göppingen erfunden und bereits 1894 als „Taschentuch aus Papier“ patentiert. Und bis heute ist es allemal praktisch.

Denn auf das Stück Papier ist stets Verlass. Es wartet in Reih und Glied mit seinen Kumpanen auf den nächsten Einsatz und ist sofort bereit. So wie für die laufende Nase, die auf das weiße Tuch wartet, um sich hieran zu schnäuzen. Danach wirft die Hand es achtlos in den Müll und greift gedankenlos zum nächsten.

Dabei überhört das Ohr entstehende Geräusche. Denn das Papier macht „raschel, raschel“. Und hört man ganz genau hin, so ist es nicht nur ein Rascheln, sondern ein in hohen Tönen wirres, durcheinander klingendes Rascheln. Fast schrill. Als ob ein Glas zerspringen würde. Doch bevor es in seine Einzelteile zerfällt, vernimmt man Sätze wie „Bitte, werf mich nicht weg!“ oder „Benutze mich noch einmal, bitte!“ Es sind die letzten Worte eines verzweifelten, mit dem Todeskampf ringenden Tuches.

Und so geht das Spiel ständig weiter. Tag für Tag. Tuch für Tuch. Ohne Widerrede, ohne Widerstand. Es kann sich nicht wehren, muss sich seinem Schicksal beugen und gute Miene zum bösen Spiel machen. Nicht umsonst sagt man im Volksmund „Der Klügere gibt nach“.

Deswegen wartet das Papiertaschentuch auf den richtigen Moment. Den Moment, an dem es sich mit einem Schlag für alles, was ihm angetan wurde, rächen kann. Für all die Tage der Undankbarkeit, Ignoranz und Missachtung, die es über sich ergehen lassen und erleiden musste.

Ein bisschen Glück gepaart mit einem Verbündeten und schon kann es los gehen. Es muss nur auf den richtigen Augenblick warten. Denn seine Passivität ist die Waffe mit der es sich zusammen- und somit selbst auseinanderreißen kann - in den ewigen Schlaf. Zunächst stehen die Chancen gut, wenn das Tuch in einer Hose vergessen wurde, die endlich gewaschen werden muss.

Und fängt die Waschmaschine erstmals an, beginnt das Taschentuch wie im Rausch seine Aktion. Das Stück Papier opfert sich und verwandelt sich in die personifizierte Rage, in viele hunderte, tausende kleine Fasern, die die Oberfläche der Hose okkupieren. Das Hosenbein, den Hosenbund, die Hosentasche. Die Annexionswut der Papierfasern ist so groß, dass sie sich mit der Hose alleine nicht zufrieden geben. Im Rausche ihrer Tat attackieren sie auch die Wäschetrommel und den Waschmaschinenschlauch.

Kein Gegenstand soll mehr vor ihnen sicher sein! Das komplette Chaos ist ihr Ziel! Und da es bis zur Zielgeraden noch einiger Waschgänge bedarf, genießen sie jede Minute ihrer Destruktivität. Sie rascheln nun heftiger als je zuvor. Rascheln Sätze hervor wie „Endlich ist der Tag gekommen!“

Sie haben zwar verloren, gleichzeitig aber gewonnen. Denn die Hose ist noch schmutziger als vor dem Waschgang und kann nicht in der Waschmaschine gewaschen werden, die wiederum voller Papierfetzen ist. Und diese wiederum verstopfen den Waschmaschinenschlauch, sodass die Selbstreinigung auch keine Option darstellt.

Der letzte Schlag des Papiertaschentuchs - oder wie man in Süddeutschland auch sagt - des Sacktuchs ist somit geglückt. Nicht die Katze, sondern das Tuch ist somit im Sack. Und wer auch immer das Taschentuch in der Hose vergessen hat, kann sich auf Schnee in der Wäschetrommel freuen. Sogar im Sommer.

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
                                                                                                                                                                    © bertha stein