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Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.

Der Vierte Karenztag.
Krank oder nicht krank?
Bereit und nicht bereit.
Der Tag der Entscheidung.
Für den asketischen Rückzug.
Für die gedankliche Freiheit.
Der Vierte Karenztag.


                                                                                                                       
                                         
Deutschland, mein Lazarett
Wann kommt die Passivdepression?
22.04.2018
In Deutschland wird nicht gekuschelt, sondern gewetteifert - auf die gewohnt kultiviert-preußische Art und Weise. Und die hat sich über die Jahre kontinuierlich verfeinert. Vom barbarischen, direkten Mann-zu-Mann-Körperkontakt über die kopflastige Taktik hin zum larmoyanten Verbalwettbewerb. Der Evolutionsprozess hat seinen neuen Status Quo erreicht: Medial präsent sein um jeden Preis, auch wenn es heißt: „Krank ist geil!“.

Geradezu ist ein Wettstreit unter Akademikern ausgebrochen, wer denn das bessere Wehwechen aufweisen kann. Man munkelt, dass intern sogar Listen geführt werden, um den oberkränkelndsten Performer zu küren. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt und bis es den „Illness“-Index gibt, ist auch nur eine Frage der Zeit.

Man fragt sich: Wird plötzlich „gegehlt“? Versteht sich das Wesen mit dem aufrechten Gang als „Mängelwesen“? Gar als „Kränkelwesen“? Beileibe nicht. Der „homo ludens“ hat nur seinen Spieltrieb auf die Sphäre des Pathologischen erweitert, wie etwa beim Rauchen. Dass Rauchen schädlich ist - geschenkt. Dass Passivrauchen millionenfach mehr Feinstaub als eine Inhalationssitzung am „Stinker-Diesel“ hat - das ist wirklich interessant.

Fast so interessant, wie das gefährliche Passivtrinken, das den lachsliebenden Dänen wahrscheinlich beim Gehirndehnen nach einer feucht-fröhlichen Nacht vor zehn Jahren entsprungen ist und nun auch Deutschland erreicht hat. Analog zum Passivrauchen bedeutet es, dass Unbeteiligte unter dem Alkoholkonsum anderer Leute leiden, wie wenn sie etwa einen alkoholkranken Angehörigen haben.

So gut das Erkennen dieser Problematik ist, so stellt sich doch die Frage, ob solch eine Stigmatisierung unbeteiligter Personen gerechtfertigt ist. Insbesondere im Hinblick auf die ganzen Sozialingenieure der Number Cruncher und Data Analysts mit ihrem vernetzten Datenarsenal. In despotischen Regimen ist es durchaus Usus die ganze Familie für das Verbrechen eines Familienmitglieds zu bestrafen. Netzwerktheoretisch formuliert: nur ein Knotenpunkt bringt das ganze Netz ins Wanken.

Sollte es hierzulande so weit kommen, dann muss man wirklich aufpassen, mit wem man sich denn so alles herumtreibt. Ist es ein Depressiver bekommt man nämlich die Diagnose eines Passivdepressiven. Ist es ein Fettleibiger, die eines Passivadipösen undsoweiterundsofort. Da die Grenzschwelle für die Diagnose einer psychischen Störung sowieso in den letzten Jahrzehnten gesunken ist, steigt somit die Wahrscheinlichkeit sich in einem Raum mit psychisch kranken Personen zu befinden und somit von diesen „angesteckt“ zu werden.

Mit der fortschreitenden Kybernetisierung des Sozialen durch den ganzen Technologieschnickschnack angefangen von social media bis zum quantified self muss man kein Hellseher sein, um die Möglichkeit einer sich anbahnenden Schreckensherrschaft zu befürchten, in der geistige Stigmatisierung und Deformation salonfähig und zum Gebot der Stunde erhoben werden.

Jetzt macht auch der laut getönte Ärzte- und Psychotherapeutenmangel endlich Sinn. Die Doktoren werden von ihrer Patienteninvasion überrollt und finden sich - zumindest nach oberer Logik - plötzlich in der Patientenrolle wider. Deswegen gilt Freiburg als Hochburg der Psychologen. Denn jene haben schon längst die Gefahr von außen erkannt und verbarrikadieren sich solidarisch und sich gemeinsam therapierend in der sonnenreichsten Stadt Deutschlands.

Die Nicht-Freiburger werden nolens volens zum „DocPat“, also gleichzeitig Doktor und Patienten in einer Person. Google und zahlreiche Apps bieten hier schon erste Möglichkeiten der Selbstdiagnose an. So kann man elegant und expertenmäßig sein Wissen mit den anderen menschlichen Krankheitsschleudern teilen. Bei der Fülle von komorbiden Störungen, die man im Laufe des Lebens alles ansammelt, kann es durchaus geschehen, dass man den Überblick verliert.

Offensichtlich trifft hier der akademische Wissensdurst auf den infantilen Spieldrang, der sich nun auf Pathologie-Gamification ausweitet. Irgendjemand muss doch unserer Informationsgesellschaft durch datenwütige Sammlerei die Ehre erweisen. Und wer, wenn nicht die Crème de la crème der intellektuellen Bestien wäre im Spielrausch hierfür besser geeignet?

Schon Roberto Blanco wusste, dass „einbisschen Spaß muss sein“ und die Betonung liegt hier auf dem klitzekleinen Wörtchen „einbisschen“. Wobei er - wie so viele - seiner eigenen Maxime nicht wirklich treu blieb. Mit Blick auf das Gamification Fieber im Lazarettland Deutschland durchaus eine positive Nachricht, die uns vor dem „homo morbus“ retten kann; wären da nicht die ganzen Nachteilsausgleiche für jeglich erdenkliche benachteiligten, diskriminierten und sonst wie opfermäßigen Gruppen, die zusätzlich diesen ganzen konkurrierenden Krankensimulationshype unterstützen.

Wenn das so weitergeht, wird es bald Naturschutzgebiete à la Freiburg geben, die als letzte Gesundheitsbastionen des Krankenbetts Deutschland gelten werden.

In diesem Sinne bleibt in Adornomanier festzuhalten: „Es gibt kein gesundes Leben im kranken.“

Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Doch es dominiert eine Meinung, nämlich die Meinung der bürokratischen Konformisten.

Wir leben in einer liberalen Gesellschaft. Doch wer von der einen Meinung abweicht, wird als Gegner und Antiliberalist etikettiert.

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Doch Gedanken werden zunehmend mit Meinungen vermengt und finden ihren Höhepunkt in voreingenommenen, tendenziösen Berichterstattungen und Diskussionen.

Wir leben in einer zivilisierten Gesellschaft. Doch statt eines sachlichen und gepflegten Schlagabtausches mit Andersdenkenden dominiert eine vorurteilsbehaftete Diskussionskultur der Diffamierung und Beleidigung.

Wir leben…..

Und es könnte noch unbegrenzt so weitergehen. Ein Widerspruch folgt auf den anderen. Deswegen und um diese eklatante Gegensätzlichkeit zu exemplifizieren, entstand der Vierte Karenztag. Hier sollen unterschiedliche Themen gesellschaftskritisch aus verschiedenen Blickwinkeln näher betrachtet und analysiert werden. Je vielfältiger die Perspektiven, desto besser für den stattfindenden Diskurs - einem Diskurs, der einen kultivierten und vorurteilsfreien Umgang pflegt, unabhängig vom jeweiligen Standpunkt. Es soll sich somit mit unterschiedlichen Themen nicht meinend, sondern gedanklich und dementsprechend kritisch auseinandergesetzt werden. Insbesondere im Tag 4 soll diesem gerecht werden. Wohingegen das Foyer zum unterhaltsamen Ein- oder Ausklang auf jeglicher Ebene einlädt. Skurriles, Absurdes und Erwähnenswertes finden hier ihren Platz. Jeder ist willkommen mitzumachen und den Vierten Karenztag zum Feiertag zu erheben.





















                                                                     
                     
 


                                                  
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